Wenn die KI ein Job-Portal zum Gesundheitsexperten macht
Auf einen Blick: Eine SE Ranking-Studie mit über 50.000 Suchanfragen zeigt, wie Google AI Overviews Gesundheitsquellen auswählen. Die Ergebnisse: Domain-Autorität schlägt Fachwissen, YouTube wird häufiger zitiert als jedes Krankenhaus, und nur 0,5 % der Quellen stammen aus wissenschaftlichen Publikationen. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Erkenntnisse für SEO, UX und Management zusammen.
Stell dir vor, du googlest nach Symptomen. Die KI antwortet dir. Und die Quelle ist... eine Jobbörse.
Kein Witz. Das ist gerade Realität.
Eine aktuelle Studie von SE Ranking hat über 50.000 Gesundheitsanfragen und 465.823 Zitationen in Deutschland untersucht. Deutschland wurde bewusst gewählt – strengste Regulierung, hohe Standards. Wenn hier schon seltsame Dinge passieren, dann überall.
Und ja, es passieren seltsame Dinge.
Die unbequeme Wahrheit: Autorität schlägt Expertise
Das überraschendste Ergebnis: PraktischArzt – ein Karriereportal für Ärzte – landete auf Platz 5 der am häufigsten zitierten Quellen für Gesundheitsfragen. Keine Uniklinik. Kein Facharzt-Blog. Eine Jobbörse.
Auf Platz 2? Der NDR. Ein Fernsehsender. Noch vor allen medizinischen Fachportalen.
Die KI fragt nicht: „Wer hat hier studiert?" Sie fragt: „Wer hat die stärkste Domain-Autorität? Wessen Inhalte kann ich am einfachsten verarbeiten?"
Und da gewinnt eben manchmal die Seite mit 10.000 FAQ-Artikeln gegen die Fachklinik mit drei PDFs.
Die Zahlen, die wehtun
| Quellentyp | Anteil in AI Overviews |
|---|---|
| „Weniger verlässliche" Quellen | 65,6 % |
| Staatliche Gesundheitsportale | < 1 % |
| Wissenschaftliche Fachpublikationen | 0,5 % |
Die Institutionen, denen wir eigentlich vertrauen sollten, werden von der KI fast ignoriert. Ausgerechnet.
Ich bin mir nicht sicher, ob das gut oder schlecht ist. Vermutlich beides. Aber es ist definitiv die neue Spielregel.
Die Top 10 sind Geschichte
Hier wird es für SEOs richtig interessant:
| Ranking-Position | Anteil der KI-Quellen |
|---|---|
| Top 10 | nur 36 % |
| Top 20 | 54 % |
| Top 100 | 74 % |
Nochmal langsam: Fast zwei Drittel der KI-Quellen würdest du bei einer normalen Google-Suche niemals finden. Und über ein Viertel liegt so weit hinten, dass kein Mensch jemals dahin scrollt.
Die Seite auf Platz 47? Kann plötzlich die Haupt-Quelle für die KI-Antwort sein. Die liebevoll optimierte Landingpage auf Platz 3? Wird ignoriert.
Was die KI liebt vs. was sie ignoriert
Was die KI liebt:
- FAQ-Seiten mit direkten Antworten
- Vergleichsartikel und Buyer-Guides
- Definitionen und Erklärungen
- Alles, was sich leicht in einen Satz zusammenfassen lässt
Was sie weniger mag:
- Marketing-Sprech
- Texte ohne klare Struktur
- Seiten, die erst nach drei Absätzen zur Sache kommen
Dr. YouTube hat jetzt Sprechstunde
Das hat mich ehrlich gesagt nicht überrascht, aber die Zahlen sind trotzdem wild: YouTube ist die meistzitierte Quelle für Gesundheits-AIOs – häufiger als jedes einzelne Krankenhaus, jede staatliche Behörde und jedes Fachjournal.
Der Typ, der in seinem Keller Erklärvideos dreht, schlägt die Charité. Zumindest in den Augen der KI.
Und das, obwohl YouTube in den organischen Ergebnissen oft erst auf Platz 11 oder schlechter landet. Aber hey, wer braucht schon ein Medizinstudium, wenn man gute Beleuchtung und Kapitelmarken hat?
Eine Studie zu YouTube-Videos über Prostatakrebs ergab, dass 77 % der untersuchten Inhalte verzerrte oder irreführende Informationen enthielten. Nur ein Drittel aller meistgesehenen Medizin-Videos stammt überhaupt von Fachpersonal. Die Mehrheit? Blogger.
Die KI bevorzugt Formate, die sich leicht zusammenfassen lassen:
- Video-Transkripte
- Schritt-für-Schritt-Anleitungen
- Q&A-Formate
Das ist quasi Fast Food für den Algorithmus. Leicht verdaulich, schnell serviert.
Ach, und falls du dachtest, ChatGPT sei besser: Wenn ChatGPT überhaupt Quellen nennt (was nur in 0,25 % der Fälle passiert), ist die meistzitierte Quelle... Reddit. Kein Witz.
Was das fürs Management bedeutet
Hier ist der Teil, den ich meinen Kunden immer als Erstes erkläre:
Die KI belohnt nicht den Klügsten. Sie belohnt den Verständlichsten.
Das klingt banal, hat aber massive Konsequenzen:
| Strategie | Was das bedeutet |
|---|---|
| Skalierung schlägt Einzelfälle | Ein brillanter Fachartikel bewegt wenig. Dutzende aufeinander abgestimmte Seiten bauen Vertrauen auf. |
| Klarheit schlägt Tiefe | Die KI braucht Aussagen, die sie „sicher" zitieren kann. Direkte Antworten, klare Definitionen, keine Konjunktive. |
| Backlinks bleiben wichtig | Bei mehreren gleichwertigen Quellen entscheidet immer noch die klassische Autorität: Wer wird verlinkt? Wer wird erwähnt? |
Der eigentliche Punkt
Google AI Overviews erscheinen bei über 82 % der Gesundheitsanfragen. Wir reden hier nicht von einem Experiment, sondern vom neuen Standard.
Und die Logik dahinter gilt nicht nur für Gesundheit. Sie gilt für SaaS, E-Commerce, Finanzen, Legal, Immobilien – eigentlich für alles.
Die drei Fragen, die die KI stellt:
- Kann ich das einfach verstehen?
- Kann ich das rechtfertigen?
- Ist es sicher, das zu zitieren?
Wer diese drei Fragen mit Ja beantworten kann, hat 2026 einen Vorteil.
Wer weiter auf Rankings allein schaut, verpasst die Hälfte des Spiels.
Ehrlich gesagt finde ich das befreiend. Es bedeutet: Gute, klare Arbeit kann gewinnen. Auch ohne riesiges Budget. Auch ohne akademische Lorbeeren.
Man muss nur verstehen, wie die neue Maschine tickt.
Quelle: SE Ranking – Google AI Overview Gesundheit Studie (Januar 2026)