Warum Google-Klicks verschwinden: AI Overviews, Zero-Click und CTR
Pew, Ahrefs und Forschung messen weniger Klicks bei AI Overviews. Was die Zahlen wirklich zeigen und welche SEO-Metriken jetzt zählen.
Es gab einmal eine goldene Regel: Platz 1 bei Google, Champagner aufmachen, Traffic genießen. Heute reicht eine Top-Position allein nicht mehr. Bei einem Google-Besuch mit AI Summary klickten 8 Prozent der untersuchten Nutzer auf ein klassisches Ergebnis. Ohne AI Summary waren es 15 Prozent. Das Pew Research Center beobachtete dafür im März 2025 das Browserverhalten von 900 US-Erwachsenen.1
Die Zahlen belegen keine weltweite Klickquote und keine Prognose für jede Website. Sie zeigen aber ein konkretes Risiko: Wenn Google einen Teil der Sucharbeit direkt auf der Ergebnisseite erledigt, kann eine gute organische Position weniger Besuche liefern.
Zero-Click ist dabei kein einzelnes Ereignis. Kein Klick auf ein Ergebnis, eine weitere Suche, das Verlassen von Google und das Ende einer Browsing-Session sind verschiedene Dinge. Pew misst sie getrennt. In der US-Stichprobe endete nach 26 Prozent der Google-Besuche mit AI Summary die Browsing-Session; ohne Summary waren es 16 Prozent. Auf einen Link innerhalb der AI Summary wurde bei 1 Prozent der Besuche geklickt.1
Aus Nutzersicht ist das oft schlicht bequem. Wenn du wissen willst, wie warm es gerade in London ist, willst du nicht auf wetter.com klicken und Cookies akzeptieren. Du willst die Zahl sehen. Sofort.
Vier Studien, vier unterschiedliche Messgrößen
Die derzeit oft zitierten Prozentwerte lassen sich nicht zu einer einzigen Verlustquote verrechnen.
| Quelle | Gemessen wurde | Ergebnis im jeweiligen Datensatz |
|---|---|---|
| Pew | Klick- und Sessionverhalten bei 900 US-Erwachsenen, März 2025 | 8 % Klicks auf klassische Ergebnisse mit AI Summary, 15 % ohne |
| Ahrefs | Position-1-CTR in 300.000 Desktop-Keywords, Daten bis Dezember 2025 | 1,57 % bei AIO-Keywords gegenüber modellierten 3,73 % ohne AIO |
| Khosravi/Yoganarasimhan | täglicher Traffic englischer Wikipedia-Artikel | rund 15 % Rückgang unter AIO-Exposition im untersuchten Setup |
| Similarweb | Referral-Conversion auf transaktionalen Websites | historischer Anbieterbenchmark von 7 % für Gen-AI- und 5 % für Google-Referrals |
Ahrefs vergleicht 150.000 Keywords mit AI Overview mit 150.000 informativen Keywords ohne AI Overview. Für Position 1 lag die beobachtete CTR im AIO-Sample bei 1,57 Prozent; ohne AIO modellierte Ahrefs 3,73 Prozent. Die daraus berechneten rund minus 58 Prozent sind eine Korrelation in diesem Desktop-Datensatz, keine allgemeine Kausalquote.2
Der Preprint von Khosravi und Yoganarasimhan nutzt ein Difference-in-Differences-Design über 161.382 gematchte Wikipedia-Artikel-Sprachpaare. Für englische Artikel schätzen die Autoren unter AI-Overview-Exposition etwa 15 Prozent weniger täglichen Traffic.3 Das ist frühe Evidenz für einen Substitutionseffekt bei Wikipedia. Es ist keine CTR-Prognose für Shops, Banken oder lokale Anbieter.
Similarwebs 7-zu-5-Prozent-Vergleich bezieht sich auf transaktionale Websites und Referral-Sessions. Die aktuell im alten Artikel verlinkte Statistikseite belegt diese konkrete Zahl nicht mehr direkt; eine spätere Trendzusammenfassung nennt sie noch als historische Anbieterbeobachtung.4 Für die eigene Planung taugt sie höchstens als Hypothese: Weniger Sitzungen können anders zusammengesetzt sein, müssen aber nicht besser konvertieren.
Warum Nutzer trotzdem nicht einfach „zu KI wechseln”
Seien wir ehrlich: Als Nutzer findest du das oft bequem. Trotzdem verschwindet die klassische Suche nicht. Bei Gesundheit, Geld oder einer großen Kaufentscheidung, das ist zumindest meine Vermutung, wollen die meisten von uns eine Quelle sehen, der sie selbst vertrauen.
In einer kleinen qualitativen Studie der Nielsen Norman Group nutzten neun Personen aus Nordamerika und Großbritannien sowohl klassische Suche als auch generative Systeme. KI nahm ihnen bei manchen Aufgaben Vergleichs- und Sortierarbeit ab. Gleichzeitig verließ sich niemand vollständig darauf.5
Die im Studienbericht beschriebenen Fälle sind anschaulich, bleiben aber Einzelfälle. Ein Teilnehmer suchte zunächst Tornetze für seinen Sohn: googeln, klicken, Maße auf einen Zettel schreiben, Preise vergleichen. Mühsam. Bei einer späteren Frage zu einem kaputten Wasserrohr probierte er stattdessen Gemini aus und bekam eine Antwort, die genau passte. Kein Suchen, kein Klicken, einfach eine Lösung. „Es fühlt sich an, als hätte ich Zeit gespart”, beschreibt es der Studienbericht. Eine andere Person wollte Perplexity als Lesezeichen speichern. Beides sind Einzelfälle aus einer Stichprobe von neun Personen. Daraus folgt Koexistenz, kein linearer Wechsel für alle Nutzer.
Auch der Google-AI-Mode-Test der Nielsen Norman Group war explorativ: Sieben Personen nahmen teil, vier hatten AI Mode zuvor nicht bemerkt oder genutzt.6 Der Test zeigt konkrete Bedienprobleme, nicht die allgemeine Ablehnung des Produkts.
Content muss einen Grund für den Klick liefern
Eine direkt beantwortbare Faktenfrage braucht oft keine weitere Seite. Ein Klick wird wahrscheinlicher, wenn die Quelle etwas enthält, das in einer Kurzantwort nicht aufgeht. Statt „5 Tipps für besseres E-Mail-Marketing" zieht eher: „Wie wir mit einer E-Mail 10.000 Euro verbrannt haben, und was wir daraus gelernt haben." Konkrete Fälle mit echten Zahlen liefern, was eine Kurzantwort nicht ersetzen kann:
- eigene, überprüfbare Daten oder ein nachvollziehbarer Test
- ein konkreter Fall mit Methode, Grenzen und Ergebnis
- ein Tool oder Rechner, den der Nutzer selbst bedienen kann, immer noch unterschätzt, immer noch wirkungsvoll
- Primärquellen und Dokumente für eine wichtige Entscheidung
- einen nächsten Schritt, der über die Zusammenfassung hinausführt
Eigene Erfahrung ist dabei kein dekoratives Ich-Signal. Sie muss sich in überprüfbaren Details zeigen. Eine generische Geschichte über einen angeblich teuren Fehler ist nicht besser als eine generische Ratgeberliste.
Für allgemeine AI-Sichtbarkeit, Crawlability und Quellenauswahl gibt es den GEO-Leitfaden. Wie regulierte Organisationen Aussagen, Belege und Freigaben steuern können, steht im Beitrag zu Content Governance. Dieser Artikel bleibt bei Klicks, Traffic und Messung.
Kontrolliere, was über deine Marke dasteht
Wenn jemand deinen Firmennamen googelt, sieht er oft schon vieles, ohne zu klicken. Dafür lohnt es sich, selbst zu bestimmen, was dort steht.
Klare FAQs, Preislisten und Vergleiche auf der eigenen Seite geben Google eine saubere Quelle. Fehlt das, kann sich eine Zusammenfassung auch aus weniger zuverlässigen Quellen speisen, etwa einem Forenbeitrag, auch wenn längst nicht jede Antwort ein Forum heranzieht.
Ein Artikel „Wir im Vergleich", den du selbst schreibst, bestimmt außerdem, welche Kriterien im Vergleich stehen, statt das anderen zu überlassen.
Verteile dich, statt nur zu horten
Content nur auf dem eigenen Blog zu bunkern, wird riskanter, je mehr Sucharbeit auf der Ergebnisseite selbst passiert. Zwei Kanaltypen ergänzen die eigene Seite:
- eigene Kanäle wie LinkedIn, YouTube und Newsletter, mit voller Kontrolle und Wert für die langfristige Marke
- verdiente Aufmerksamkeit auf Reddit, Quora oder in Fachcommunitys, mit überproportionaler Wirkung, wenn der Beitrag zum Ort passt
Wie stark ein einzelner Kanal im Vergleich zur eigenen Seite performt, hängt stark von Thema, Plattform und Zeitpunkt ab. Pauschale Vergleiche zwischen Formaten sind dafür nicht belastbar.
Technik bleibt Grundlage, aber kein Gegenmittel
Google empfiehlt für generative Suchfunktionen weiterhin klassische SEO-Grundlagen: hilfreiche Inhalte, Crawlbarkeit, interne Auffindbarkeit und sichtbaren Text.7 Schema, llms.txt oder vorgeschriebenes Chunking nennt Google nicht als zusätzliche Anforderungen für AI Overviews. Was diese Bausteine technisch leisten und wo ihre Grenze liegt, steht im Beitrag zu Schema, llms.txt und Structured Outputs.
Eine schnelle, gut verlinkte Seite ist sinnvoll für Nutzer und Suche. Sie verhindert keinen Klickverlust, wenn Google die Antwort schon auf der Ergebnisseite liefert. Ebenso garantiert die Freigabe eines AI-Crawlers keine Zitation. Technische Hygiene hält die Seite im Spiel; sie erzeugt nicht automatisch Nachfrage.
Was jetzt ins Reporting gehört
Ranking und Klick bleiben wichtig, reichen aber nicht mehr als alleinige Diagnose.
- Websuche: Impressionen, Position, CTR und Zielseite in Search Console.
- Generative Google-Suche: den separaten Gen-AI-Bericht nutzen, falls er für die Property freigeschaltet ist. Google rollt ihn seit Juni 2026 für einen Teil der Websites aus.8
- Qualifizierte Besuche: Engagement und Conversion nach Landingpage und Kanal messen, nicht als Durchschnitt über alle Referrals.
- Geschäftswirkung: Leads, Markensuchen und Vertriebskontakte getrennt beobachten. Ein späterer Direkteinstieg ist kein sicher attribuierter AI-Klick.
- Studienwerte: nie als Sollwert für die eigene Website übernehmen. Die eigene Zeitreihe ist der relevante Vergleich.
Manuelle Promptsets können ergänzen, ob eine Marke genannt oder eine Seite zitiert wird. Sie messen jedoch einen Snapshot aus Modell, Datum, Sprache, Region und Prompt. Das ist eine andere Messung als CTR.
Was aus den Zahlen folgt
AI Overviews können Klicks und Traffic reduzieren. Wie stark, hängt von Query, Inhalt, Land, Gerät, Zeitraum und Website ab. Pew misst Besuche, Ahrefs Keyword-CTR, Similarweb Referral-Conversion und der Wikipedia-Preprint täglichen Artikeltraffic. Jede Quelle beantwortet eine andere Frage.
Für SEO heißt das: Klickverlust zuerst sauber messen. Danach braucht der Inhalt einen belastbaren Grund, warum jemand die Quelle trotzdem öffnet. Ein weiteres GEO-Versprechen ersetzt beides nicht.
Deine Website wird wahrscheinlich weniger Besucher haben. Mit einem klaren Grund zum Klicken sind es hoffentlich die richtigen.