Humanizer (Deutsch): KI-Texte erkennen und menschlicher machen

Du kennst das: Ein Text klingt irgendwie seltsam. Zu glatt. Zu perfekt strukturiert. Jeder Absatz hat exakt die gleiche Länge. Und dann steht da sowas wie „Es ist wichtig zu bemerken, dass..." – und du weißt: Das hat ChatGPT geschrieben.

Das Problem ist nicht, dass KI-Texte schlecht sind. Das Problem ist, dass sie erkennbar sind. Und erkennbare KI-Texte wirken billig, austauschbar, unglaubwürdig.

Ich habe deshalb den Humanizer (Deutsch) gebaut. Ein Tool, das 31 typische KI-Schreibmuster identifiziert und dir zeigt, wie du sie loswirst.

Warum deutsche KI-Texte anders sind

Die meisten KI-Detector-Tools und Guides sind auf Englisch. Das Problem: Deutsche KI-Texte haben andere Muster.

Zum Beispiel:

  • Partizip-I-Konstruktionen wie „gewährleistend" oder „hervorhebend". Im Deutschen ein Alarmsignal.
  • Gedankenstriche überall. Ein Anglizismus, den Deutsche so nicht schreiben.
  • „Darüber hinaus" am Satzanfang. Drei Mal pro Absatz ist ein klares KI-Zeichen.

Die deutsche Wikipedia hat dafür eine eigene Dokumentation erstellt. 31 Muster, die Wikipedia-Editoren nutzen, um KI-generierte Artikel zu erkennen. Ich habe diese Muster in ein praktisches Tool übersetzt.

Die 5 Kategorien von KI-Mustern

1. Sprache und Tonfall (12 Muster)

Das sind die offensichtlichsten Probleme:

Muster Beispiel Warum es KI verrät
Symbolik-Überladung „steht als Zeugnis für" Kein Mensch schreibt so
Werbesprache „atemberaubend", „einzigartig" Klingt wie Tourismus-Broschüre
Meta-Kommentare „Es ist wichtig zu bemerken" Erklärt statt zu zeigen
Mechanische Konjunktionen „Darüber hinaus", „Ferner" Zu häufig, zu gleichmäßig
Vage Autoritäten „Experten sagen", „Studien zeigen" Keine echten Quellen

Vorher (KI):

Die atemberaubende Stadt mit ihrem reichen kulturellen Erbe steht als Zeugnis für die künstlerische Brillanz vergangener Generationen.

Nachher (Mensch):

Die Stadt hat eine lange Geschichte. Ihre Denkmäler zeigen die Handwerkskunst des Mittelalters.

Der Unterschied? Konkret statt abstrakt, kurz statt verschachtelt.

2. Stil (4 Muster)

  • Übermäßige Fettschrift (KI macht alles wichtig)
  • Falsche Listen, also Bullet-Points wo keine hingehören
  • Emojis vor Überschriften: 🎯 Ziele, 📊 Daten, 🚀 Launch
  • Zu viele Gedankenstriche (englischer Stil)

3. Kommunikation (6 Muster)

Das sind die Chatbot-Reste:

  • „Ich hoffe, das hilft!"
  • „Lassen Sie mich wissen, wenn..."
  • „Stand Januar 2024..."
  • „Als KI-Modell kann ich nicht..."

Klingt nach Kundenservice, nicht nach Fachartikel.

4. Auszeichnungstext (6 Muster)

Technische Fehler, die KI macht:

  • Markdown statt Wikitext
  • Erfundene DOIs und ISBNs
  • Links zu Google-Suchen statt echten Quellen
  • Kategorien die nicht existieren

5. Verschiedenes (3 Muster)

  • Abrupte Abbrüche, also Text endet mitten im Satz
  • Stilwechsel: plötzlich formal, dann wieder locker
  • Ich-Form in Metadaten („Ich habe diesen Artikel verbessert")

So nutzt du den Humanizer

Der Humanizer ist ein Claude Code Skill. Das heißt: Du kannst ihn direkt in Claude Code laden und mit /humanizer aufrufen.

Installation:

git clone https://github.com/marmbiz/humanizer-de ~/.claude/skills/humanizer-de

Nutzung:

/humanizer
[Füge deinen Text ein]

Oder einfach: „Humanisiere diesen Text für mich"

Das Tool zeigt dir dann:

  1. Welche Muster es gefunden hat
  2. Warum diese Muster problematisch sind
  3. Konkrete Vorschläge zur Verbesserung

Was der Humanizer NICHT ist

Kein automatischer Rewriter. Kein „Mach meinen KI-Text unerkennbar"-Button.

Der Humanizer ist ein Analyse-Tool. Er zeigt dir die Probleme, du entscheidest was du änderst. Manchmal ist „darüber hinaus" okay. Manchmal ist ein Gedankenstrich genau richtig. Der Kontext entscheidet.

Das Ziel ist nicht, KI-Nutzung zu verstecken. Das Ziel ist, bessere Texte zu schreiben. Mit oder ohne KI.

Die Philosophie dahinter

Gutes deutsches Schreiben hat Eigenschaften, die LLMs systematisch verfehlen:

  • Direktheit statt Metapher: „Die Stadt ist groß" statt „Die Stadt steht als Symbol für menschliche Ambition"
  • Konkrete Details: „50.000 Einwohner" statt „eine beachtliche Bevölkerung"
  • Verben statt Nominalisierung: „Die Wirtschaft wächst" statt „Das Wirtschaftswachstum ist evident"
  • Variabilität, also unterschiedliche Satzlängen und Strukturen

Menschliches Schreiben hat Ecken. KI-Schreiben ist glatt.

Für wen ist das?

  • Content-Ersteller, die KI nutzen aber authentisch klingen wollen
  • Marketing-Teams, die ihre Texte auf KI-Muster prüfen wollen
  • Wikipedia-Editoren, die eingereichte Artikel bewerten
  • Alle, die wissen wollen, woran man KI-Texte erkennt

Open Source und kostenlos

Der Humanizer ist MIT-lizenziert. Du kannst ihn nutzen, kopieren, verändern, wie du willst.

Er basiert auf:

GitHub: github.com/marmbiz/humanizer-de


Die Ironie ist mir bewusst: Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung geschrieben. Aber er wurde auch mit dem Humanizer überarbeitet. Das Ergebnis? Hoffentlich ein Text, der nach Mensch klingt – weil ein Mensch die finale Entscheidung getroffen hat.

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