UX

Ambivalente Personas: Realistische Nutzer mit KI simulieren

Warum perfekte KI-Personas scheitern und wie du mit gezielten Prompts realistisch widersprüchliches Nutzerverhalten simulierst, inklusive Beispiel-Prompt.

Kennst du „den perfekten Paul“? 28 Jahre, effizienzverliebt, trinkt nur fair gehandelten Kaffee und nutzt deine App jeden Tag genau so, wie du es dir gedacht hast. Das Problem: Paul gibt es nicht.

In der Realität sind wir widersprüchlich. Wir sagen, Datenschutz sei uns heilig, und laden die halbe Lebensgeschichte bei Instagram hoch. Wir wollen gesünder leben und bestellen abends Pizza, weil der Tag stressig war. Genau das macht uns menschlich.

KI-Personas dagegen geraten meist zu glatt. Sprachmodelle sind auf logische Kohärenz trainiert, Menschen aber handeln nicht logisch. Realistische Personas brauchen deshalb explizit eingebaute Widersprüche.

Papierprofil mit überlagerter Aussage und gegenläufiger Handlung
Aussage und Handlung liegen übereinander.

Warum glatte Personas gefährlich sind

Wenn du für Paul designst, designst du am Leben vorbei. Das klassische Beispiel ist das Datenschutz-Paradoxon: Menschen sagen A (Privatsphäre ist wichtig), tun aber B (nutzen TikTok). Hört dein Design nur auf A, wirst du ignoriert. Sieht es nur B, fühlt es sich übergriffig an. Die Wahrheit liegt dazwischen, im Warum.

Wie du der KI Widersprüche beibringst

Du kannst die KI gezielt anweisen, unlogisch zu sein. Statt nach einer typischen Persona zu fragen, fragst du nach Widersprüchen.

1. Daten sammeln

Nimm echte Zahlen, zum Beispiel:

  • „70 % unserer Nutzer sagen, Datenschutz sei ihnen wichtig.“
  • „65 % sind täglich auf Facebook.“

2. Der Ambivalenz-Prompt

Sag der KI explizit, dass sie genau diesen Konflikt einbauen soll. Ein Prompt, den ich dafür nutze:

Erstelle genau drei realistische Personas für folgendes Segment:
• Mobile-only Nutzer
• Über 45 Jahre alt
• Wohnen ländlich
• Sagen: „Datenschutz ist mir wichtig“
• Tun: Nutzen täglich Social Media

Wichtig für JEDE Persona:
1. Füge mindestens zwei harte Widersprüche ein (sagt A, tut B).
2. Schreib ein Zitat, das diesen inneren Konflikt zeigt (z.B. „Ich weiß, es ist blöd, aber...“).
3. Halte es kurz (max 150 Wörter).

Gib das als Markdown-Tabelle aus.

Was dabei herauskommt

Statt des perfekten Paul bekommst du dann etwa:

Lisa, 50, Lehrerin.

  • Konflikt: Hat Angst vor Datenklau, postet aber jeden Sonntag Fotos vom Enkel, weil sie sonst den Anschluss an die Familie verliert.
  • Zitat: „Ich weiß, Facebook ist eine Datenkrake. Aber wenn ich nicht dort bin, bekomme ich nicht mit, wann das Dorffest ist.“

Bei Lisa spürst du den Schmerzpunkt sofort: Ihr „Social Pressure“ wiegt schwerer als die Datenschutz-Angst. Das ist ein Ansatzpunkt für echtes Design, etwa eine Funktion, die ihr ein Gefühl von Sicherheit gibt, ohne sie auszusperren.

Auch diese Personas sind synthetisch. Sie kommen aus dem Modell, nicht aus echten Gesprächen. Für Workshops und als Diskussionsanstoß sind sie wertvoll, ein Interview mit einer echten Lisa ersetzen sie nicht.

Hör auf, perfekte Nutzer zu suchen

Perfekte Nutzer gibt es nicht. Suche nach den Rissen und Brüchen, nach den kleinen Widersprüchen, die wir uns alle erlauben. Wenn deine KI-Persona dich ein wenig irritiert, weil sie unlogisch handelt, hast du wahrscheinlich eine gute getroffen.

🌐